Behind the Poetry

Kim Catrin

“Sieht aus wie eine Postkarte”, denke ich, als ich aus dem Bus steige. Und es stimmt.
Monschau sieht tatsächlich aus wie eine Postkarte.
Mit seinen grünen Hügeln und glasklaren Bächen, mit den Fachwerkhausgiebeln und
grasgrünen Flächen. Versteckt zwischen Bergen und Parks lebt man hier noch nach
uralter Art. Im Schatten einer Burg steht ein großes rotes Haus; werden Brunnen, Kirchen,
Brücken; wird Geschichte aufgebaut.

Nirgendwo sonst ist der Boden so holprig, nirgendwo sonst sind die Menschen so goldig;
gereift in Jahrhunderten wie guter Wein — und davon schenkt man uns reichlich ein. In
dieser Stadt, in der kein Zug hält, die Kirchenglocke Mittagsruh schellt, da droht einem fürs
Küheschubsen tatsächlich ein Bußgeld.
An diesem Ort scheint ein Licht, das ist sieben mal siebzig Jahre alt. Hier ist es im
Sommer heiß und im Winter kalt, solang sich der Schwan an den Kirchturm krallt. Hier
fährt man noch mit der Bimmelbahn durch die Innenstadt, die was ganz besonderes
innehat. Ob es wohl damit zusammenhängt, dass die ganze Stadt sich gen Himmel
drängt?
Vielleicht hat die Rur nach so vielen Jahren alle Schönheit der Eifel nach Monschau
getragen. Und so sind die Straßen und Gassen nun mit all ihren Wassern gewaschen. So
ein Fluss macht halt jede Stadt besser. Und wie jedes stolze Gewässer hat auch die Rur
eine Perle, ja hier sieht man nachts noch die Sterne.

Mag sein, dass ich als Großstadtkind einfach jede Kleinstadt super find. Stell mich auf
einen Marktplatz und ich bin glücklich, wirklich, manchmal kann das Leben so einfach
sein. Hier ist man nie weit von der Grenze und genießt seine Tage in Gänze. Hier
begegnen sich Romantik und Moderne und verlieren dabei nie ihre Wärme. Hier ist das
Leben so einfach und der Himmel so nah.

“Sieht aus wie eine Postkarte”, denke ich, als ich in den Bus steige. Und es stimmt.
Monschau sieht tatsächlich aus wie eine Postkarte.
Bald komm ich wieder, mit Stift und Papier, und erzähle der ganzen Welt von hier.

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